Heller Hautkrebs
   

Morbus Bowen

Der Morbus Bowen ist eine frühe Form des hellen Hautkrebses, die unbehandelt in eine ziemlich aggressive Hautkrebs-Form, in ein Spinaliom („Stachelzellkrebs“) übergehen kann. Ein tiefer wachsendes Spinaliom ist ein recht aggressiver Hautkrebs, der in weitere Hautschichten vordringt und der außerdem die Neigung hat, Metastasen zu bilden. Metastasen sind etwas ziemlich Bösartiges: Es handelt sich um Absiedelungen von einzelnen Krebszellen oder Zellnestern, die durch den Blut- oder Lymphstrom im Körper herumgetragen werden und sich dann in anderen Organen festsetzen können: Sie tragen gewissermaßen den Krebs weiter.

Obwohl diese Erkrankung keineswegs selten ist, gibt es leider keine gebräuchliche deutsche Bezeichnung dafür. „Morbus“ ist ein lateinisches Wort und heißt „Krankheit“ oder „Leiden“ und „Bowen“ ist der Name eines amerikanischen Dermatologen (John Templeton Bowen, Boston, 1857 – 1545), der diese Erkrankung im Jahr 1912 zum ersten Mal beschrieben hat. Auf Deutsch würde man also „Bowen’s Krankheit“ sagen. Bowen wusste allerdings noch nicht genau, um was es sich dabei handelte, er beschrieb „a new kind of dyskeratosis restricted to the epidermis“ (eine neue Art von Verhornungsstörung der Oberhaut). Manchmal nennt man die Erkrankung deshalb auch noch Dyskeratosis maligna. In dieser Bezeichnung steckt das Wort „Dyskeratosis“ = Verhornungsstörung und das Wort „maligna“ = bösartig. Mit „bösartig“ will man andeuten, dass sich der Morbus Bowen, wenn man ihn als Frühform eines Hautkrebses nicht behandelt, recht gefährlich weiterentwickeln kann.

Der Morbus Bowen kann in Sonderformen auch im Bereich von Schleimhäuten oder von so genannten „Übergangsepithelien“ (Übergang zwischen normaler Körperhaut und Schleimhaut, etwa im Anal- oder Genitalbereich) vorkommen; dann nennt man ihn Erythroplasie Queyrat. „Erythro-“ heißt rot und mit „-plasie“ bezeichnet man eine Gewebsvermehrung, Queyrat ist, wie Bowen, wieder ein Name, diesmal der eines französischen Dermatologen, der diese besondere Form des M. Bowen erstmals beschrieben hat (Louis Auguste Queyrat, Paris, 1872 – 1933). Queyrat wusste aber nicht, dass er eigentlich das gleiche gesehen und beschrieben hatte wie Bowen, nur an einer anderen Körperstelle. So kam es, dass man lange Zeit dachte, es seien zwei ganz verschiedene Hautkrankheiten und auch heute noch benutzen die Ärzte beide Namen. Wenn diese Art von M. Bowen im Bereich der weiblichen Scham auftritt, nennen ihn die Gynäkologen meistens VIN (Vaginale intraepiteliale Neoplasie), man spricht auch von der „mukokutanen Variante“ (=Schleimhautvariante) der Morbus Bowen.

Manchmal liest man auch das Wort Präkanzerose (=“Vor-Krebs“); diese Bezeichnung ist aber eigentlich zu verharmlosend, weil man daraus schließen könnte, es sei ja eigentlich noch kein „richtiger“ Krebs und man bräuchte erst einmal nur abzuwarten „was wohl daraus wird“. Abwarten aber sollte man keineswegs, denn der Morbus Bowen bildet sich nicht von selbst zurück, sondern er geht mit einer recht hohen Wahrscheinlichkeit irgendwann in ein invasives (tiefer wachsendes) Spinaliom über. Für derartige frühe Krebs-Formen gibt es eine sehr gute Bezeichnung, die genau beschreibt, worum es dabei geht: Die Mediziner sagen „carcinoma in situ“. Das ist wieder lateinisch und heißt „Krebs am Ort“. Man muss sich vorstellen, dass sich beim Morbus Bowen bereits viele Zellen unserer dünnen Oberhaut (Epidermis) in Krebszellen verwandelt haben, sich dann geteilt haben und in der Fläche (nicht in der Tiefe!) weiter gewachsen sind. Sie sind aber noch „am Ort“, also genau dort, wo sie entstanden sind. Noch haben sich keine Metastasen gebildet (d.h. Krebszellen haben sich nicht abgesondert), es sind noch keine anderen Teile der Haut außer der Oberhaut befallen und vor allem sind noch keine anderen Organe mit betroffen. Die Morbus Bowen-Stellen in der Oberhaut kann man in der Regel recht gut mit dem bloßen Auge sehen: Es sind rötliche oder rötlich-braune, meist trockene, schuppende Flecken. Wichtig ist, dass ein erfahrener Dermatologe die Diagnose stellt; meist wird er auch noch eine kleine Gewebeprobe entnehmen, um eine histologische (mikroskopische, feingewebliche) Untersuchung in Auftrag zu geben; es besteht nämlich eine ziemlich große Gefahr, den M. Bowen mit einer Psoriasis (Schuppenflechte) oder mit einem Ekzem zu verwechseln.

Anders als die mit dem M. Bowen verwandten Aktinischen Keratosen, die nur an Körperstellen auftreten können, die dem Sonnenlicht ausgesetzt sind, kann der Morbus Bowen auch an unbelichteten Körperstellen auftreten. Man kann also, wiederum anders als bei den Aktinischen Keratosen, nicht das Sonnenlicht als (alleinigen) Auslöser verantwortlich machen. Für den M. Bowen kommen neben der Sonne eine ganze Reihe von Auslösefaktoren in Frage: Chemikalien (Arsen, polyzyklische Kohlenwasserstoffe wie Benzol u.ä., Benzin, Teer, Ruß,…), „Genussmittel“ wie Alkohol und Nikotin und vieles mehr in Frage. Seit neuester Zeit hat man erkannt, dass sehr oft auch bestimmte Viren beteiligt sind. Wohlgemerkt: Der M. Bowen ist nicht etwa eine Infektionskrankheit, die man sich zuzieht, wenn man sich mit diesen Viren ansteckt; hat man aber diese Viren in sich, so fördern sie wahrscheinlich sehr stark die Ausbildung dieses „carcinoma in situ“.